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Man nehme einen Niedersachsen, einen Osttiroler, künstlerische Leidenschaft, einen theatralen Raum und platziere alles in der Schillerstraße 48a – et voilà: schon beginnt eine Theatergeschichte inmitten von Münster.

Die Intendanten des Kammertheaters „Der Kleine Bühnenboden“ – liebevoll Bübo genannt – Konrad Haller und Toto Hölters befragen sich gegenseitig und erzählen vom Warum, Weshalb und Ebendrum.

Hölters: Der Bübo existiert am 1. Mai 38 Jahre. Erinnerst du dich noch an deinen Anfang, nachdem du das Theater übernommen hast?
Haller: Los ging es 2010. Die Familie der plötzlich verstorbenen Gründerin Marianna trat an mich mit der Frage heran, ob ich mir vorstellen könne den Bübo zu leiten. Eine große Ehre und gleichzeitig eine Herausforderung, der ich mich gerne stellte. Also ging ich daran mir einen Überblick zu verschaffen, mich da reinzufuchsen. So habe ich die eine und andere Nacht im Theater verbracht, auch um ein Gefühl für den Raum zu bekommen. Klingt bekloppt, ich weiß. Dann hab ich relativ schnell eine erste Inszenierung gemacht, „Rattenjagd“ von Peter Turrini, mit Maria Goldmann, der Tochter der Gründerin – und bei so einem Abend haben wir uns dann ja nach langer Zeit wiedergetroffen. Und schnell war klar, dass du und ich das Haus gemeinsam leiten wollten.

Haller: Wie würdest du unser Theater charakterisieren?
Hölters: So wie unser „Untertitel“ es schon sagt, das „Theater auf Augenhöhe“, immer nah dran am Publikum, immer nah dran an den Schauspieler*innen und Regisseur*innen. Und damit in Münsters Theaterlandschaft einzigartig.
Hölters: Wie beschreibst du deinen persönlichen künstlerischen Anspruch?
Haller: Mir geht es um das Geschichtenerzählen, wie, in welcher Ästhetik ergibt sich dann oft während der Arbeit. Ich möchte, dass das Publikum das Theater anders verlässt, als es hereingekommen ist: ein Gedanke, ein Gefühl mehr oder anders – gut oder schlecht ist dabei egal. Irgendwas soll in Bewegung geraten sein. Ich versuche auch so eine Art „Artenschutz“ für Menschen zu betreiben, die nicht komplett der Norm entsprechen.
Alle sollen auch einen sicheren und freien Ort haben.

Haller: Hast du als Theatermachender ein Sendungsbewusstsein?
Hölters: Ich mache Stücke, die mir gefallen, mit Schauspielerinnen und Schauspielern, mit denen ich gerne zusammenarbeite, habe Bilder und Ideen dazu im Kopf. Dann kommt eine kurze, intensive Probenphase und dann raus damit. Und wenn es dann unserem Publikum gut gefällt, freue ich mich.

Hölters: „Bretter, die die Welt bedeuten“ – ein oft verwendeter Ausspruch. Hat er für dich Relevanz?
Haller:Ja, eine Wirklichkeit zu erschaffen, die sich an der realen Wirklichkeit reibt und andere Ansichten, Wahrnehmungen zurückspielt. Diese Bretter funktionieren ja auch wie ein Brennglas, ein Vergrößerungsglas und rücken andere Themen in den Fokus. Sie erhellen oft das Kleine, scheinbar Unwesentliche. Sie sind ein mutiger Raum, indem es erstmal kein „Richtig“ und „Falsch“ gibt. Und dann ist es natürlich der Ort, wo sich eine Horde Bekloppter trifft, um zusammen was zu machen.

Haller: Gibt es eine Erkenntnis, die du aus unseren zehn Jahren gemeinsamer Theaterarbeit destillierst?
Hölters:: Absolutes Vertrauen in unsere gemeinsame Arbeit!

Hölters: Dem Theater wird, wie vielen anderen Kultureinrichtungen auch, oft vorgeworfen, dass es sich nicht allen öffnet. Was rätst du Menschen, die sich davor scheuen eine Vorstellung zu besuchen?
Haller: Es einfach mal mutig – da ist wieder das Wort – auszuprobieren, kann ja nichts passieren. Und zu 99,99% fällt nach meinen Erfahrungen so ein „Erstbesuch“ positiv aus.

Haller:Mit welchem Gefühl stehst du vor einem Theaterabend in unserem Foyer?
Hölters: Vorfreude und Spannung auf einen gemeinsamen Theaterabend, mit denen, die auf der Bühne und dahinter stehen, und denen, die vor der Bühne sitzen.

Hölters:: Gibt es eine Geschichte, die mit dem Bübo verbunden ist, die du nie vergessen wirst?
Haller: Der Bübo ist voll von Geschichten, ich habe natürlich meine ganz private, da ich hier meine Frau kennengelernt habe und ich nun hoffe, dass unsere Tochter hier auch das Laufen lernt, wie schon Maria (die Tochter der Gründerin). Übergabe des Staffelstabes. Schon deshalb muss es den Bühnenboden weiter geben.

Haller:Nun die immer wieder schöne Frage: Was wünscht du dir für den Bübo, unsere Gäste und Künstler*innen?
Hölters:Viele weitere Theaterabende ohne Stress von außen – einfach mal in Ruhe arbeiten können.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Haller.

Haller: Es war mir eine wiederkehrende Freude, Herr Hölters.